Rund 4.000 Feuerwehrleute sind kreisweit für andere im Einsatz

 

Egal ob es brennt, der Keller voller Wasser steht, ein Schaf in einen Kanal gestürzt ist, Menschen in einem Aufzug feststecken oder nach einem Unfall in ihrem Auto eingeklemmt sind: Feuerwehrleute sind rund um die Uhr im Einsatz, um Menschen und Tiere aus Notlagen zu befreien, Brände zu bekämpfen und die Umwelt zu schützen. Im Landkreis gibt es in 49 der 50 Gemeinden eine eigene Wehr. Einzig Merzhausen fällt aus der Reihe. Hier rückt die Feuerwehr Freiburg an, wenn es brennt, denn sie hat es nicht weit.

Mehr Aktive, mehr Einsätze: 2018 sei die Zahl der aktiven Feuerwehrkameraden im Kreis so hoch gewesen wie noch nie, sagt Christoph Zachow, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands. 3943 Aktive zählten die Wehren des Kreises im vergangenen Jahr. Die Zahl der Einsätze im Landkreis lag 2018 bei 507 Bränden und 1719 technischen Hilfeleistungen. "Heutzutage wird die Wehr zu viel mehr Bagatellen gerufen als früher. Bei uns in Breisach, wo ich stellvertretender Kommandant bin, ist der Klassiker der festgefrorene Schwan auf dem Rhein. Früher hätte uns wegen so etwas niemand gerufen", sagt Zachow.

Dass die Feuerwehr öfter alarmiert werde, liegt seiner Meinung nach auch daran, dass heute jeder ein Mobiltelefon besitze. "Teilweise melden die Anrufer einen Brand, den sie aus einiger Entfernung gesehen haben, und wissen dann nicht genau, wo er ist, und schauen auch nicht nach – sie rufen einfach an. Das hat sich teilweise dann als Scheibenschlagen herausgestellt", erzählt Zachow. Reduziert habe sich aber die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen die Feuerwehr technische Hilfe leisten müsse. "Die Autos sind inzwischen sicherer und stabiler geworden", sagt er.


Mehr technische Hilfeleistungen als Brände


48 der Feuerwehren im Landkreis haben eine Jugendabteilung, zehn eine Kinderfeuerwehr. "Die wichtigste Rekrutierungsquelle ist natürlich die Jugendfeuerwehr. Ohne Quereinsteiger würde es aber nicht funktionieren", sagt Zachow. "Kinderfeuerwehren sind immer mehr im Kommen, erfordern aber einen ganz anderen Betreuungsaufwand als die Jugend und auch räumliche Voraussetzungen", erklärt er. Sie seien jedoch auch wichtig, um die Kinder schon früh für die Wehr zu gewinnen. Andere Vereine seien da oft früher dran.

Eine der 49 Wehren im Kreis ist die Feuerwehr in Gundelfingen. Sie setzt sich aus den Abteilungen Gundelfingen und Wildtal zusammen. "Unser Gerätehaus platzt aus allen Nähten, aber wir freuen uns trotzdem über Zuwachs. Wir sind derzeit 86 Aktive, 65 in Gundelfingen und 21 in Wildtal. Die gemeinsame Jugendfeuerwehr hat 39 Mitglieder", erzählt Kommandant Jens Lapp. Jährlich werde die Wehr zu 100 bis 120 Einsätzen gerufen, wobei die technische Hilfeleistung den größten Teil davon ausmache. Für Einsätze stehen acht Fahrzeuge zur Verfügung. 2019 rückte die Gundelfinger Wehr bereits zu 111 Einsätzen aus – zu rund zwei Einsätzen pro Woche.



"Die Zahl der Einsätze ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen", sagt Lapp. Die Bandbreite reiche von verletzten Tieren, über vermisste Personen bis hin zu Großbränden. "Wir haben hier viel Gewerbe und viel Verkehr. Gundelfingen ist recht städtisch, und wir müssen sehr oft technische Hilfe leisten und zum Beispiel für Rettungskräfte oder die Polizei Türen öffnen, weil keiner der Nachbarn einen Ersatzschlüssel hat. Manche rufen auch wegen einer verletzten Amsel oder eines kranken Igels gleich die Feuerwehr. Das wäre in einem kleinen Dorf nicht möglich", sagt Lapp.


Räucherstäbchen und ein entflohener Papagei riefen die Retter auf den Plan


Der Kommandant kann sich an einige kuriose Einsätze erinnern. "Wir kommen dann, wenn sich andere nicht mehr zu helfen wissen. Wir wurden schon gerufen, weil ein Papagei entflogen war, der – als wir ankamen – auf dem Fensterbrett saß, oder weil es aus der Wohnung der Nachbarin komisch roch – der Grund dafür war dann ein Päckchen mit inzwischen verdorbenen Lebensmitteln. Einmal wurde auch der Rauchmelder von einer Schamanin ausgelöst, die mit Räucherstäbchen die bösen Geister aus einer Immobilie vertreiben wollte, und bei einem Brautpaar kam auch mal das Wasser unter der Türe durch, weil sie in ihrer Hochzeitsnacht den Wasserhahn angelassen hatten. Wir haben schon viel Lustiges erlebt, aber auch Tragisches", sagt Lapp.

Schlimm sei es, persönliches Leid mitzuerleben oder nicht mehr helfen zu können, ergänzt Feuerwehrfrau Madlin Huber. "Jeder geht damit anders um. Nach schweren Einsätzen ist es wichtig, das Gespräch zu suchen. Dafür gibt es auch die psychosoziale Notfallseelsorge." Man kenne sich untereinander und könne reagieren, wenn sich einer der Kameraden zurückziehe oder gereizt reagiere, sagt ihr Kollege Ansgar Höhn. "Das macht Kameradschaft aus", sagt er. "Vieles kommt auch erst im Nachhinein und auch die, die gar nicht ganz vorne mit dabei waren, machen sich oft Gedanken", so Huber.


Die Grundausbildung dauert 80 Stunden


Die Grundausbildung, die Truppmann-Ausbildung, besteht aus 80 Lehreinheiten. "Dort lernt man die Grundlagen und darf nach erfolgreicher theoretischer und praktischer Prüfung ab dem 18. Lebensjahr als Aktiver mit zu den Einsätzen", erzählt Lapp. "Ob man davor in der Jugendfeuerwehr war, ist egal. Alle müssen die 80 Stunden machen", sagt der Kommandant. "Wir freuen uns über jeden, der sich entscheidet bei uns – oder generell bei der Feuerwehr – mitzumachen. Es darf auch einer mit 30, 40 oder später noch auf uns zu kommen. Solche Leute sind oftmals schon beruflich und sozial gefestigt und sesshaft.

Bei den Jugendlichen hat man oft das Pech, dass sie mit 17, 18 noch Schüler sind oder in der Ausbildung und wenn sie fertig sind, für den Job oder ein Studium wegziehen und uns leider wieder verlassen", erzählt Lapp. "Bei uns kann jeder mitmachen, egal ob er Mauerer ist oder Gastronom. Alles ist erlernbar. Ein ausgeprägtes Helferbedürfnis ist wichtig, dass man keine Angst hat, sich die Finger schmutzig zu machen, und dass man genügend Zeit hat", sagt Lapp.


Nur 4,2 Prozent der Aktiven im Landkreis sind weiblich


"Je nach Einsatzstichwort und Tageszeit rücken unterschiedlich viele Einsatzkräfte und Fahrzeuge aus. Die gesetzliche Vorgabe ist, dass eine Feuerwehr – egal, ob Tag oder Nacht – zehn Minuten nach der Alarmierung da sein muss. Das funktioniert bei uns. Nach rund vier Minuten rückt hier bei uns in der Regel das erste Fahrzeug aus", erzählt Lapp. Die Tagesbereitschaft der Wehr in Gundelfingen sei überdurchschnittlich gut. "Generell haben viele Freiwillige Feuerwehren Probleme, dass viele Mitglieder auspendeln zur Arbeit und im Ort weniger anwesend sind, als am Abend oder am Wochenende. In Gundelfingen sind wir ganz gut aufgestellt, denn wir haben Mitglieder, die bei der Gemeinde, im Gundelfinger Gewerbegebiet oder in Hochdorf arbeiten."

Eine Besonderheit seien auch Mitglieder, deren Heimatwehr zwar in Teningen, Herbolzheim oder Glottertal sei, die aber zur Arbeit nach Gundelfingen kämen und auch dort an Einsätzen und Übungen teilnähmen. "Die haben den doppelten Aufwand. Jedes Feuerwehrmitglied zeigt gegenüber jedem anderen Hobby bereits ein überdurchschnittliches Engagement. Gleich in zwei Feuerwehren aktiv zu sein, das ist schon über-überdurchschnittlich", sagt Lapp.

Fünf der 86 Gundelfinger Einsatzkräfte sind weiblich. "Wir sind froh, dass wir sie haben. Früher war es ein No Go, aber mittlerweile sind Frauen hier nichts Ungewöhnliches mehr. Frauen sind genauso gute Männer", sagt Lapp. 167 Aktive – also 4,2 Prozent der Einsatzkräfte im Landkreis – seien weiblich, während der Bundesdurchschnitt bei zehn Prozent liege, erzählt Zachow. "Das ist definitiv ausbaubar. Aber in der Jugendfeuerwehr ist die Quote deutlich höher, und in Zukunft werden die Frauen bei der Wehr mehr werden. Die boxen sich da durch", sagt er.

Quelle: Badische Zeitung vom 27.12.2019, Annika Sindlinger 

 

Sieben Menschen, darunter drei Kinder, sind vergangenen Samstag nach einem schweren Verkehrsunfall auf der Vörstetter Straße vorsorglich ins Krankenhaus geliefert worden. Wie die Polizei mitteilte, seien die Kinder aber "augenscheinlich unverletzt" geblieben. Ihr Transport ins Krankenhaus sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen.

Schaden in Höhe von 27 000 Euro


Zuvor habe eine 32-Jährige Pkw-Fahrerin, die von der B 2 94 kommend auf die Vörstetter Straße einbiegen wollte, einer dort fahrenden 74-jährigen Autofahrerin die Vorfahrt genommen. Die ältere Dame befand sich auf dem Weg von Gundelfingen in Richtung Vörstetten. Dort, wo der Ausfahrtast der Bundesstraße auf die Kreisstraße mündet, sei es zum Zusammenstoß gekommen. An beiden Autos ist laut Polizei ein Schaden in Höhe von rund 27 000 Euro entstanden.

Nach dem Unfall, der sich um 19.45 Uhr ereignete, wurde auch die Freiwillige Feuerwehr Gundelfingen alarmiert. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes habe sich diese gemeinsam mit der Polizei um die Unfallbeteiligten gekümmert, berichtete deren Sprecher Jens Lapp. Weiterhin habe die Feuerwehr die Einsatzstelle abgesichert, den Brandschutz sichergestellt und die Batterien an den Unfallfahrzeugen abgeklemmt. Die Feuerwehr war mit drei Fahrzeugen und 15 Kräften angerückt, der Rettungsdienst mit drei drei Rettungswägen und einem Notarzteinsatzfahrzeug. Die Unfallstelle war gegen 21.15 Uhr wieder geräumt.

Quelle: Badische Zeitung 25.11.2019 Sebastian Krüger

Der betroffene Autofahrer hatte selbst den Notruf gewählt. Zunächst konnte der Betroffene nicht seinen genauen Standort mitteilen und deshalb die Feuerwehr Gundelfingen alarmiert. Nachdem weitere Anrufer den Fahrzeugstandort an der Isfahanallee, Höhe Güterbahngelände, präzisiert hatten, rückte auch die Freiburger Berufsfeuerwehr aus. Die Gundelfinger waren da bereits vor Ort und löschten den Vollbrand des Autos, die Freiburger Kollegen unterstützten sie.

Der Fahrer kam mit einem Schrecken davon


Der Rettungsdienst war ebenfalls vor Ort. Der Fahrer blieb unverletzt und kam mit dem Schrecken davon. Die B 3 musste während des Einsatzes vorübergehend gesperrt werden.

Quelle Badische Zeitung 20.11.2019 Joachim Röderer

Es kann immer, zu jeder Zeit, passieren: dass durch einen technischen Defekt in einem Schwimmbad Chlorgas austritt. Um für einen solchen Fall und dessen Auswirkungen gewappnet zu sein, haben am Samstag mehr als 50 Feuerwehrkräfte aus Gundelfingen und Wildtal am Lehrschwimmbad geübt. Daran beteiligt war auch der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Auch viele Zuschauer verfolgten die Großübung.

Ein Chlorgasunfall ist selten, aber wenn er passiert, ist es richtig gefährlich. Deshalb hat Gesamtkommandant Jens Lapp für die Herbstübung genau dieses Szenarium ausgesucht: Ein Behälter mit chemischer Lösung war beschädigt worden, Chlorgas trat im Technikerraum des Lehrschwimmbads aus, in dem gerade der Hausmeister arbeitete. Von dessen Rufen aufgeschreckt, ließ ein Handwerker in unmittelbarer Nähe seine Lötlampe fallen. Sogleich begann das umliegende Material zu schmoren – in kürzester Zeit war das gesamte Untergeschoss der neuen Halle verraucht. Unglücklicherweise befanden sich noch Kinder im Umkleideraum. Voller Angst rannten sie los. Weil der Rauch ihnen jede Sicht nahm, lief die achtjährige Marie gegen eine Wand. Aus einer Platzwunde an ihrer Stirn lief Blut. Klara stürzte die Treppe herunter und brach sich ein Bein. Elias stürzte und blieb im Rauch liegen. Zwei weitere Kinder retteten sich aufs Dach der Halle.

Kurz nach 16 Uhr ging der erste Alarm raus. Über die Leitstelle in Freiburg wurde der ABC-3-Alarm vermeldet. Wenige Minuten später rückte schon die Gundelfinger Wehr an. Einsatzleiter Alexander Holzmann sondierte die Lage und gab die Details weiter, damit die Zugführer Stefan Pretzer und Matthias Gehri gezielt die Wehrleute einsetzen konnten.

Zuerst mussten die Menschen aus dem Gebäude geholt und in Sicherheit gebracht werden. Aus dem verrauchten Treppenhaus holten die Atemschutzträger die Kinder raus. Um die Kinder auf dem Dach zu retten, kam die dreiteilige Schiebeleiter zum Einsatz. Abseits des hektischen Geschehens nahmen DRK-Bereitschaftsleute die Verwundeten in Obhut und versorgten sie. "Im Ernstfall hätten wir den Rettungsdienst alarmiert, aber bis der ankommt, versorgen wir die Verletzen – das haben wir heute gut geübt", sagte Dieter Flotho vom DRK.
Am anderen Eingang machten sich weitere Feuerwehrleute zu schaffen, um den Weg für die speziell ausgebildeten Kollegen frei zu machen. Zwei Einsatzkräfte trugen Chemieschutzanzüge, darunter Atemschutz, Funkgeräte und Helme – insgesamt 30 Kilogramm, eine große körperliche und mentale Belastung.

Nachdem Hausmeister und Handwerker gerettet waren, suchten die Wehrleute im Technikraum nach der Ursache und sicherten einen Behälter mit chemischem Inhalt. Sobald sie wieder draußen waren, mussten sie dekontaminiert werden: Chlorrückstände an Kleidung und Ausrüstung wurden abgewaschen. Dazu wurden spezielle Becken aufgestellt. Im ersten bekamen die Feuerwehrleute eine Wasserdusche, im zweiten Becken legten sie ihre Kleidung ab, die in Säcke kamen.

Fast eine Stunde dauerte die Übung am Lehrschwimmbad. Lapp und Holzmann zogen eine positive Bilanz. "Das Szenario war für alle das Maximum – aber die Übung ist top gelaufen", sagte Lapp. "Der strukturelle Aufbau und die Einsatztaktik sitzen", lobte Holzmann. Kleinigkeiten, die nicht zu 100 Prozent funktionieren, würden nun nochmals geübt.

Quelle Badische Zeitung 29.10.2019 Andrea Steinhart