Zu wenig Platz für Helfer

GUNDELFINGEN. Die Freiwillige Feuerwehr in Gundelfingen ist im vergangenen Jahr zu 118 Einsätzen gerufen worden. Dazu kamen Proben, Weiterbildungen und Lehrgänge. Ob bei Bränden, Verkehrsunfällen oder technischen Hilfeleistungen – auf die Gundelfinger Feuerwehr ist seit 75 Jahren Verlass. Auf dieses Jubiläum machte Kommandant Jens Lapp in der jüngsten Abteilungsversammlung aufmerksam.

"Wir konnten im vergangenen Jahr durch umsichtiges, geschultes und professionelles Handeln und Eingreifen viele Menschen und Tiere aus bedrohlichen Zwangs- und Notlagen befreien", sagte der Kommandant nach der Begrüßung zahlreicher Ehrengäste, die anlässlich des 75-jährigen Bestehens gekommen waren.

In seinem Bericht ging Lapp auf die Herausforderungen ein. So platze das Gerätehaus aus allen Nähten. Die notdürftige Auslagerung der Jugendfeuerwehr in die Container sei ein schon wieder zu kleines Provisorium. "Für die aktiven Kameraden sind alle Spinde belegt, Platz für weitere besteht derzeit nicht – die Situation sieht bei den Kameradinnen mit der Unterbringung im Stiefel-Waschraum noch schlechter aus", betonte Lapp. Sanitäranlagen seien ebenso Mangelware. "Ich appelliere an die Gemeinde, sich mit der Unterbringung der Einsatzkräfte auseinanderzusetzen, die nächsten Kameraden stehen bereit, und da darf es nicht sein, dass wir für diese keine Unterbringungsmöglichkeiten haben", sagte Lapp. Zudem müsste dringend der Feuerwehrbedarfsplan zum Abschluss kommen, erforderliche Maßnahmen dürften nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Glücklich ist Lapp über die Entscheidung, einen hauptamtlichen Gerätewart einzustellen. Derzeit teilen sich vier ehrenamtliche Gerätewarte rund 85 Stunden im Monat. Der Gerätewart muss sämtliche Feuerwehr- und Einsatzgerätschaften, darunter auch die Atemschutzausrüstung, prüfen und in Ordnung halten. Der im Herbst eingestellte Gerätewart ist der erste berufliche Feuerwehrmann in Gundelfingen. Kreisbrandmeister Axel Widmaier äußerte sich hierzu positiv: "Das entlastet das Ehrenamt." Er dankte dem Bürgermeister für die zukunftsweisende Entscheidung, diesen einzustellen.

Personell ist die Feuerwehr Gundelfingen gut aufgestellt. Insgesamt leisten 55 Männer und fünf Frauen ehrenamtlich Dienst für die Bürger. Hohe Investitionen tätigt auch die Gemeinde. So wurden 2017 unter anderem eine weitere Wärmebildkamera, zwei Chemikalienschutzanzüge und eine Tragkraftspritze gekauft. Auch wurden alle Einsatzkräfte mit neuen Uniformen ausgestattet.

Mit dem Ausbildungsstand zeigte sich Kommandant Lapp sehr zufrieden. Neben der zeitintensiven Ausbildung sind Gundelfinger Feuerwehrleute selbst als Ausbilder aktiv: Als Kreisausbilder bei der Grundausbildung und bei den Truppführern sowie bei der Atemschutzausbildung und im Bereich der Heißausbildung der Atemschutzgeräteträger. Erfreulich ist auch die Entwicklung der Jüngsten – darüber informierte der Verantwortliche der Jugendfeuerwehr, Marcus Binger.

Nicht selbstverständlich sei das Pflichtbewusstsein, das die ehrenamtlichen Feuerwehrleute an den Tag legten. "Das verdient allerhöchste Anerkennung", verdeutlichte Bürgermeister Raphael Walz. Vielfach erlebe er, dass die Bürger glaubten, Gundelfingen habe eine Berufswehr. "Das könnten wir uns nicht leisten – der freiwillige Einsatz und die Überstunden, die erbracht werden, sind im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar."

Polizeipostenführer Gregor Jungblut bescheinigte der Feuerwehr sehr professionelles Einsatzverhalten: "Sie sind die Stütze unserer Gesellschaft hier vor Ort." Eine gute kameradschaftliche Zusammenarbeit bestätigten Kommandanten der Wehren in Hochdorf, Denzlingen, Vörstetten, Glottertal, Heuweiler und Freiburg. Nach den Grußworten gab es einen bebilderten Rückblick auf 75 Jahre Feuerwehr Gundelfingen.

Beförderungen: Brandmeister: Joachim Tegtmeyer, Oberlöschmeister: Patrick Frey, Löschmeister: Orazio Greco, Hauptfeuerwehrmann/-frau: Philipp Wagner und Wiebke Wendt; Oberfeuerwehrmann: Marcus Binger, Jakob Engler, Matthias Franz, Nicolas Gisin, Johannes Haarhaus, Jannik Haeußler, Sarah Huber, Frederik Klask, Manuel Löffler, Daniel Palmtag und Tim Schneeberger; Feuerwehrmann/-frau: Svenja Beckert, Fabian Buck, Timo Jehle, Matthias Keldermann, Marvin Menzle und Peter Zepner.

Ehrungen: Unter Applaus geehrt wurden Kurt Danner und Fritz Engler für 74 Jahre Mitgliedschaft. Wolfgang Engler erhielt für 50 Jahre Treue das Feuerwehrehrenzeichen in Gold, Jens Lapp das Feuerwehrehrenzeichen in Silber für 25 Jahre. Jochen Langenbacher, der seit 1996 für Feuerwehrangelegenheiten im Rathaus zuständig war und nun wechselt, wurde mit Dankesworten verabschiedet.

Quelle: Badische Zeitung 03.05.2018, Andrea Steinhart