Eingespielte Rettungskräfte am Werk

GUNDELFINGEN. "Hilfe!" ruft es laut aus dem oberen Schulfenster. Aus dem Kellerfenster steigt weißer Rauch auf. Brand in der Johann-Peter-Hebel-Grundschule in Gundelfingen. Ein Großaufgebot von mehreren Löschfahrzeugen und Wehrmänner aus Gundelfingen-Wildtal und Denzlingen ist am Samstagnachmittag zum Schulgebäude ausgerückt. Alarm ausgegeben hatte kurz zuvor Kommandant Jens Lapp. Hochkonzentriert ging am Samstag die Jahreshauptübung der Feuerwehr Gundelfingen-Wildtal über die Bühne. Bereits vier Minuten nachdem Feuerwehrkommandant Lapp mit der Meldung "Brandstufe 3" die Rettungskette in Gang gesetzt hatte, eilten die Polizei und der Einsatzleitwagen auf den Schulhof. Minuten später folgten mehrere Löschfahrzeuge, das DRK Gundelfingen und die Feuerwehr Denzlingen mit der Drehleiter. Am Rande des Schulhofs hatten sich zahlreiche "Schaulustige" eingefunden. Das war auch gut so, denn ein wichtiger Punkt der jährlichen Schauübung ist die Werbung für das Ehrenamt Feuerwehr. "Nachwuchsförderung ist ein Dauerthema bei uns – wir brauchen dringend weitere Männer und Frauen für unsere Feuerwehr", verdeutlichte Lapp.
Zum Szenario der Übung: Die Heiztechnik im Keller des Schulgebäudes ist defekt. Ein Mechaniker versucht den Fehler zu beheben. Bei den Reparaturarbeiten kommt es zu einer Verpuffung, Teile beginnen zu brennen. Im oberen Stock des Schulhauses, in der Aula, befinden sich zu dieser Zeit zehn Kinder, die mit Bastelarbeiten beschäftigt sind. Als die Mädchen und Jungen den Rauch bemerken, ist der Weg ins Freie durch das Treppenhaus abgeschnitten. Sie sitzen fest. Die Schüler gehörten alle zur Jugendfeuerwehr. Sie mimten die Verletzten, die um Hilfe rufen und die wegen des Rauchs fast nicht mehr atmen können. Der Rauch kam übrigens aus der Nebelmaschine.

Einsatzleiter Thomas Baumann verschaffte sich schnell einen Überblick über die Situation. Während ein Feuerwehrmann das noch aus dem Lichtschacht lodernde Feuer mit Wasser bekämpfte, machten sich fünf Atemschutztrupps auf den Weg ins Schulgebäude, um die schreienden Kinder zu retten und das verrauchte Gebäude zu durchkämmen. Von außen stellte die Feuerwehr Steckleitern ans Fenster, um in die Aula vorzudringen. Das Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr Denzlingen war inzwischen zur Unterstützung eingetroffen. Die verletzten, nicht gehfähigen Kinder werden auf Tragen gelegt und mit der Drehleiter in Sicherheit gebracht. Bei den Schulgaragen hat die Ortsgruppe des DRK ihr Lager aufgebaut. Nach knapp 30 Minuten sind alle vermeintlich Verletzten gerettet und in Obhut des DRK. Die sieben DRK-Rettungskräfte unter Leitung von Dieter Flotho behandelten rasch die verletzten Kinder mit Unterstützung vom Rettungsdienst Freiburg. Sie versorgten die Platzwunden, stoppten die blutenden Nasen und verbanden die verbrannten Hautstellen. Der Heizungsmonteur (ein Dummy) wies offene Frakturen und eine starke Rauchgasvergiftung auf.

Die Übung dauerte eine gute Stunde. Anschließend durften die zuschauenden Kinder Fahrzeuge der Feuerwehr besichtigen und selbst den Wasserschlauch auf das Schulgebäude halten. Insgesamt waren knapp 50 Feuerwehrleute und neun DRKler an der Übung beteiligt. Der Polizeiposten Gundelfingen war mit zwei Beamten im Einsatz. "Bei dieser Übung konnte man gut sehen, dass es sich bei unserer Feuerwehr um eine eingespielte Mannschaft handelt", sagte Bürgermeister Raphael Walz. Auch Kommandant Jens Lapp lobte die Übungsteilnehmer: "Ich bin sehr zufrieden, das Übungsziel wurde sofort erkannt, die Abschnitte wurden gut eingeteilt und die Zusammenarbeit der Wehren klappt einwandfrei." Die Grundschule mit ihren 400 Schülern sei ein wichtiges Objekt in Gundelfingen – daher steht sie stets im Blickfeld der Feuerwehr.

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Quelle: Badische Zeitung vom 19 Oktober 2015, von Andrea Steinhart